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The Knowledge-Sharing Platform

Types and Ways of Knowledge Transfer

01INTRODUCTION

An insight of how Knowledge Transfer can be performed

You can only use your Toolbox well if you really know what’s in it and how the tools work. This Article lists the different types and ways of how Knowledge Transfer is usually performed and gives compact insights (in German).
 

Arten des Wissenstransfers

Technologietransfer

Der Begriff Technologietransfer ist älter und enger gefasst als Wissenstransfer. Er fokussiert tendenziell auf den Transfer von den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Richtung Wirtschaft und Industrie. Transferiert werden die Technologien (technologisches Know-how) in Produkte und Dienstleistungen (siehe: Innovations-Management)

Das Hauptziel ist die Unterstützung der Universitäten und Forschungseinrichtungen in ihrer Rolle als Wissensanbieter durch Schutz, Lizensierung und Kommerzialisierung ihres Wissens.

Der Wandel der Universitäten von reinen Wissensanbietern hin zu Mitgestaltern des Wissensschöpfungs- und Innovationsprozesses, von einem linearen Modell hin zu einem systemischen Modell, verlangt nach einer breiteren Unterstützung als nur die technologieorientierte Unterstützung. Dieses breitere Verständnis der Rolle der Universitäten hat zur Entwicklung von Knowledge Transfer Offices (KTO) geführt. Sie haben das Ziel der Wissensmitgestaltung (siehe: Knowledge Transfer from Public Research OrganisationsBoosting Open Innovation and Knowledge Transfer in the European Union).

Im Technologietransfer unterscheiden Koschatzky bzw. Walter vertraglich-institutionelle Transferaktivitäten und »weiche« Aktivitäten, wenn auch in der Praxis kaum klare Grenzen zu erkennen sind. Zu den weichen

Aktivitäten zählen:

• Informationstransfer

• Personaltransfer

• technisch-wissenschaftliche Ausbildung.

(Siehe: Technology Transfer, Innovation Networking and Regional Development, Koschatzky, 1996, ISI-A-10-96, Englisch; Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Walter, 1992, 1997, Springer-Verlag, 2013, ISBN 3322820017, 9783322820013, Deutsch, 300 S.; Innovationsmanagement)

 

Informationstransfer

Unter Informationstransfer versteht man die Aufbereitung von Veröffentlichungen und Patenten sowie die Vermittlung von Kontakten, Ansprechpartnern, Fachkräften und Sachverständigen (siehe: Innovationsmanagement).

Darüber hinaus dienen auch

• der Zugang über Datenbanken,

• die Präsentation von Forschungsergebnissen auf Messen und Veranstaltungen,

• Weiterbildungsangebote zur Vermittlung neuester Erkenntnisse,

• Beratungsleistungen,

• Auftragsforschung,

• Forschungstransfer und

• informelle Kontakte

dem Informationsaustausch (siehe: Good Practise Report). In Bezug auf den Informationstransfer durch Datenbanken sei auf die European Science Cloud-Initiative verwiesen.

 

Personaltransfer

»Personaltransfer bezeichnet die zeitweilige oder auch längerfristige Mitarbeit von Forschenden und technischem Personal in Unternehmen bzw. von Angestellten industrieller Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Forschungseinrichtungen.«[1] (Siehe: Innovationsmanagement)

Dazu gehören insbesondere

• der Personalaustausch,

• das Anbieten von Praktikumsstellen,

• die Beschäftigung von Personen vor Abschluss des Studiums oder Doktorates bzw. mit gerade abgeschlossener Ausbildung,

• der Austausch von Forschenden bei konkreten F&E-Projekten,

• Lehraufträge von Unternehmensangehörigen,

• die Kooperation in F&E-Projekten und

• die Teilnahme an transferbezogenen Netzwerken.

(Siehe: Good Practise Report Link)

Bei der Gründung eines Spin-offs, also der Ausgründung eines neuen Unternehmens aus einer bestehenden Organisation, fallen Personaltransfer und Technologietransfer zusammen. Oft können wertvolle Synergien durch Informationsaustausch mit der Hochschule genützt werden. [Vergleiche: Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen als Form des direkten Technologietransfers/Technologietransfer – Anforderungen und Entwicklungstendenzen, Heukeroth, Pleschak, Fraunhofer IRB Verlag, ISBN: 3-8167-6275-1, 2003, Deutsch, S. 75 – 80]

Die europäischen Förderprogramme unterstützen Personaltransfer vornehmlich durch die Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen in der Säule »Wissenschaftsexzellenz« von Horizon 2020 (H2020).

 

Öffnung und Bereitstellung sachlicher Güter und von Infrastruktur

Das Öffnen und Bereitstellen sachlicher Güter und von Infrastruktur bedeutet, dass Kooperationspartner die apparativen Einrichtungen, Labors, Werkzeuge, Anlagen und Infrastruktur der eigenen Organisation nutzen dürfen.

Besonders für KMUs ist diese Art des Transfers von Bedeutung, wenn sie sich aus Kostengründen keine eigenen Apparate oder Geräte anschaffen wollen, ein bestimmtes Spezialgerät fehlt oder ein Gerät zunächst nur für den Versuchsablauf getestet werden soll. Sachmitteltransfer kann somit eine zusätzliche Transferleistung von Wissenschaftseinrichtungen darstellen, die Unternehmen  unterstützt, indem sie sachliche Güter bereitstellt.

 

Gemeinsame Forschungseinrichtungen

In diesen Einrichtungen arbeiten sowohl Forschende der Hochschulen als auch der Industrie gemeinsam an komplementären Forschungsthemen. Unternehmen können sich dabei auch auf die Rolle eines reinen Zuwendungsgebers beschränken. Räumliche Nähe als Grundlage verstärkter Interaktionen zählt zu den Grundgedanken dieser Kooperationsform (siehe: Good Practise Report )

Das Programm »Forschungsinfrastrukturen« in Horizon 2020 fördert die Vernetzung bestehender Forschungsinfrastrukturen aller wissenschaftlichen Disziplinen mit anderen, ähnlichen Einrichtungen in Europa. Gemeinsam sollen Dienstleistungen für europäische Spitzenforschende angeboten werden. Darüber hinaus wird die Planung neuer pan-europäischer Infrastrukturen entlang einer strategischen Roadmap gefördert ( Vergleiche: FFG: Forschungsinfrastrukturen )

 

Wege des Wissenstransfers

 

In diesem Kapitel werden die Wege des Wissenstransfers beschrieben, wird also erklärt, wie Wissenstransfer in der Praxis zustande kommt.

Mobilität von Forschenden zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und Ausbildung hochqualifizierter Humanressourcen

Forschende sind im Innovationssystem zentrale Akteurinnen und Akteure: Speziell von ihnen hängt das Entstehen von neuem Wissen und neuen Technologien ab. Ihre Ausbildung ist mit hohem Aufwand verbunden und meist liegen Teile ihres Wissens und ihrer Erfahrung implizit vor. Impliziertes Wissen basiert auf Erfahrung, Erinnerung u. Ä. Es ist verborgen und nicht artikulierbar. Die Übertragung in explizites Wissen, z. B. in schriftliche Form, ist vielfach nicht möglich. Umso wichtiger ist die Mobilität der Forschenden – denn die Übertragung ihres impliziten Wissens kann nur im persönlichen Austausch erfolgen (siehe: Local Embeddedness of Knowledge Spillover Agents  ).

Der Mobilität von Forschenden wird in den Europäischen Forschungsförderprogrammen, wie z. B. Horizon 2020 (H2020), zentrale Aufmerksamkeit geschenkt. Wichtige Beispiele für Programmlinien in H2020 zur Förderung und Unterstützung der Mobilität sind

• Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen,

• der ERC oder

• die Plattform Euraxess.

Logo ERC und Euraxess

Gründung von Unternehmen durch Forschende (Spin-Offs), Sciencepreneurship

Unter Spin-off versteht man generell die »Ausgliederung einer Organisationseinheit aus bestehenden Strukturen (z. B. Unternehmen, Universität oder Forschungsinstitut) mittels Gründung eines eigenständigen Unternehmens durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ursprungsorganisation.

Es entsteht eine neue rechtliche Einheit, die Know-how und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Ursprungsorganisation bündelt und vielfach auch nach der Ausgliederung noch inhaltliche oder wirtschaftliche Verbindungen zur Mutterorganisation aufrechterhält.

Motive der Ausgründung sind vielfach Produktideen oder Forschungsergebnisse, die gute Geschäftsperspektiven aufweisen, jedoch außerhalb der Geschäftstätigkeiten der Ursprungsorganisation liegen oder nicht in deren Regie produziert bzw. optimal vermarktet werden können.«

( Siehe: Gabler Wirtschaftslexikon: Spin-off )

Aus Perspektive der Hochschulen sind Spin-offs neue Unternehmen, die gegründet werden, um Ideen und geistiges Eigentum, die an der Bildungseinrichtung generiert werden, zu verwerten (siehe: Metrics for the Evaluation of Knowledge Transfer Activities at Universities ).

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang der Begriff »Sciencepreneur«. Er beschreibt Menschen, die sowohl in der (universitären) Forschung tätig sind, aber auch Unternehmen gründen oder führen und als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auftreten. Einer oder einem Forschenden mit unternehmerischer Orientierung ist es möglich, (Hoch-)Technologien mit hoher Markteintrittsschwelle in vermarktbare Produkte und Dienstleistungen umzuwandeln. Es entstehen keine Verluste von implizitem Wissen. Oftmals bleiben wichtige Kontakte in die Wissenschaft bestehen und die Gefahr vor Nachahmung ist vergleichsweise gering.

Das Gründen eines Spin-offs ist oftmals die einzige Möglichkeit für Forschende, auch die wirtschaftlichen Früchte einer Technologie ernten zu können und über sämtliche technologische Reifegrade (TRL) bis zur Marktreife zu begleiten (siehe auch Beitrag zu TRL). Erfahrene Sciencepreneurs sind für den Arbeitsmarkt interessant, weil sie beide Seiten – die wissenschaftliche und die wirtschaftliche – einer Technologie-Entwicklung kennen und verstehen.

Österreich hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, zum Gründerland Nummer 1 aufzusteigen. Deshalb wurden in den letzten Jahren verstärkt Anstrengungen zur Förderung und Erleichterung von Gründungen unternommen.

Beispiele dafür sind das österreichische Inkubatorennetzwerk AplusB oder die Wissenstransferzentren zur Unterstützung von akademischen Spin-offs sowie das neue Global Incubator Network, kurz GIN[2]. Die jüngsten Zahlen der Spin-offs in Österreich zeigen einen Aufwärtstrend: So konnte eine Steigerung von elf akademischen Spin-offs im Jahr 2013 auf 19 im Jahr 2015 verzeichnet werden.

Vergleiche:

( Siehe: Österreich – Land der Gründer )

 

Logo AplusB und ESM

 

Auf Europäischer Ebene unterstützt zum Beispiel EUREKA – E!Innovest mit Webinaren, Schulungen und Mentoring sowie »Investment-Readiness Tools« den Zugang zu Venture Kapital, Business Angels und internationalen Matchmaking-Unternehmen. Ein weiteres europäisches Beispiel ist der »European Startup Monitor« – eine Studie zur Förderung von Transparenz für Start-ups und zur Identifikation von nationalen und gemeinsamen Herausforderungen bzw. zum Aufzeigen spezifischer Entwicklungen. Er wurde erstmals im März 2016 veröffentlicht.

Logo E!nnovest

Wissenschaftlich-Technische Beratung

Eine Organisation kauft wissenschaftlich-technisches Consulting zu. Primär nehmen Unternehmen solche Services von Forschungseinrichtungen in Anspruch, um Einblick in neues theoretisches Wissen zu erlangen, allerdings sind auch Forschungseinrichtungen auf praxisbezogene Problemstellungen aus der Industrie angewiesen – je nach Ausrichtung der Forschung. Selbstverständlich kann Beratung auch innerhalb der Industrie oder der wissenschaftlichen Gemeinschaft geleistet werden.

Patentierung und Lizensierung sowie Standardisierung Wissenschaftlicher Erfindungen

Für 65 % der Unternehmen ist Patentierung von Innovationen eine wichtige bzw. sehr wichtige Methode, um Wissen zu schützen und/oder zu verwerten. [Siehe: Abbildung 2, Seite 20] Man könnte sogar sagen, dass der ursprüngliche Gedanke von Patenten der Wissenstransfer war: Erfindungen sollten nicht mehr geheim gehalten, sondern durch Veröffentlichung der Allgemeinheit bekannt gemacht werden und damit weitere Innovationen ermöglichen.

Als Gegenleistung wurde und wird der Schutz der Erfindung für eine begrenzte Zeit gewährt. Wissenstransfer wird also schon durch die Patentierung selbst ermöglicht. Bei Gebrauchsmustern verhält es sich gleich.

Der Patenthalter kann, wenn er die Innovation nicht (ausschließlich) selbst verwerten kann oder will, Lizenzen für seine Innovation vergeben. Idealerweise sind damit auch Beratungsleistungen und Unterstützung in der Verwertung durch die Erfinderin/den Erfinder verbunden.

Kooperative Forschung

In der kooperativen Forschung spielt Wissenstransfer eine zentrale Rolle, indem das jeweilige Wissen von Partnern genutzt und verwertet wird. Unternehmen greifen beispielsweise auf theoretisches Universitätswissen zu, umgekehrt Forschungseinrichtungen auf Praxiswissen. Spezialwissen kann dabei fokussiert in Teilprojekte eingebracht werden, vergleichbar mit Puzzleteilen.

In kooperativen Forschungs- und Entwicklungsprojekten bilden die beteiligten Partner zumeist ein Konsortium. Die Konsortialpartner arbeiten an einem gemeinsamen Projekt mit definierten F&E-Zielen. Für die Förderung von kooperativer Forschung muss im Allgemeinen verpflichtend ein Konsortialvertrag vorliegen. Darin sind die Rechte und Pflichten der Partner festgelegt. Einer der Partner ist Konsortialführer und tritt als Einreicher und Ansprechpartner gegenüber dem Fördergeber auf.

Auf europäischer Ebene spielt die kooperative Forschung eine zentrale Rolle, sowohl in Horizon 2020 als auch in einer Vielzahl von sogenannten multilateralen Initiativen, wie z. B. Gemeinsamen Technologieinitiativen, Joint Programming Initiatives, Eureka/Eurostars. Ebenso spielt die kooperative Forschung in vielen Formaten der FFG eine wesentliche Rolle.

Die Ziele kooperativer Forschung mit Industriebeteiligung können verwertbare Technologien und Produkte sein, oder aber Erkenntnisgewinn und Publikationen. Mit einem durchschnittlichen Anteil von 3,5 % an gemeinschaftlichen Publikationen (Co-Publikationen) liegt Österreich im Jahr 2013 deutlich über dem EU-Durchschnitt von 2,2 %. Neben den multidisziplinären Publikationen fallen die Disziplinen Immunologie und Mikrobiologie, Biochemie, Genetik und molekulare Biologie, Pharmakologie, Toxikologie, Pharmazie und das Ingenieurwesen durch einen hohen Anteil an Co-Publikationen auf.

Abbildung 1 zeigt, dass Österreich mit durchschnittlich 75,4 Co-Publikationen pro Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern den EU-Durchschnitt[3] von 29 übertrifft (oberster Balken). Österreich liegt damit vor Deutschland (57,8), einem Innovationsführer, aber hinter vergleichbaren Ländern wie den Niederlanden (114,8) oder Belgien (81,3).

Auftragsforschung

Bei der Auftragsforschung wird eine Forschungseinrichtung für eine wissenschaftliche Dienstleistung beauftragt: Sie forscht in einem gewissen Fachbereich an der Entwicklung eines Produktes oder bietet Dienstleistungen an. Für die Forschungseinrichtung steht nicht der wissenschaftliche Wettbewerb im Vordergrund, sondern die Beauftragung (und damit eventuell verbundene Kontakte und Geldmittel, Erfahrung oder die Nutzung von Infrastruktur etc.). Auftragsforschung ist tendenziell kurzfristiger ausgerichtet als kooperative Forschung.

 

Weiterführende Links:

 

Verknüpfte Bilddateien:

Abbildung 1: Der durchschnittliche Anteil von Gemeinschaftspublikationen von Wissenschaft und Industrie Österreichs im Vergleich mit dem EU-Durchschnitt, je nach Forschungsfeld

Quelle: Scopus [Vergleiche: RIO Country Analysis – Austria, https://rio.jrc.ec.europa.eu/en/country-analysis/Austria, RIO Country Report – Austria, https://era.gv.at/object/document/2642]

Abbildung 2: Bewertung der verschiedenen Strategien zum Schutz geistigen Eigentums durch Unternehmen

Quelle: Wirkungsmonitoring 2013: Sonderauswertung IPR, KMU-Forschung [Siehe: Wirkungsmonitoring der FFG Förderung, https://www.ffg.at/content/wirkung-der-ffg-foerderung]

Logo AplusB

Logo ERC

Logo Euraxess

Logo European Startup Monitor

Logo E!Innovest

 

Anmerkung: Abb. 1 und Abb. 2 sind mit Stand 14.4 nur als Screenshot aus dem pdf-Dokument kopiert. Vom Layouter wird noch eine Vektorgrafik eingeholt.

 

[1] Originalzitat: »Personaltransfer bezeichnet die zeitweilige oder auch längerfristige Mitarbeit von Wissenschaftler/innen und Techniker/innen in Unternehmen bzw. von Mitarbeiter/innen industrieller Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Forschungseinrichtungen.«

[2] Das Anfang 2016 gestartete Global Incubator Network dient zur spezifischen Förderung von Start-ups und Spin-offs. GIN unterstützt Start-ups, die nach Österreich kommen. GIN hilft auch österreichischen Start-ups bei der Internationalisierung.

[3] Gemeint sind die EU-28-Staaten.

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